Testimonial

Sabine SWOBODA

Wie alles begann …

Die Wette mit einem lieben Freund hat mein Leben verändert. Der Klassiker: „Das schaffen wir nie!“ Nun war der Grundstein für meine nun bereits seit 17Jahren andauernden „Laufkarriere“ gelegt.

In der Schulzeit hat mir das Laufen niemals Spaß gemacht, trotzdem versuchte  ich im Jahr 2000 – ohne vorher jemals gelaufen zu sein – auf der Donauinsel meinen ersten Lauf. Die Rennstrecke ging gleich über 12 km und die Zeit mit  ca. 1 Stunde und 30 Minuten konnte sich auch sehen lassen. Es war für mich ein voller Erfolg, weil ich durchgelaufen war.

Dieser Lauf motivierte mich, mehr in diesen Sport zu investieren und nach drei Jahren war es soweit, ich startete bei meinem ersten Martathon.

Wer hätte das gedacht, dass ich eine Läuferin werde …

Dass ein Marathon ein komplett anderes Lauftraining und auch ein anderes Durchhaltevermögen, als ein Halbmarathon erfordert, musste ich bei meinem ersten Marathon in Wien erfahren. Als Zielzeit hatte ich mir 4 Stunden und 30 Minuten vorgenommen, ich war sogar eine Minute früher als erwartet im Ziel. Ich hatte nun Wettkampfluft geschnuppert und somit blieb es nicht aus, dass die nächsten Marathons folgten: 2004, 2005, 2006 wieder in Wien im Herbst. Ich schaffte es, meine Zeit auf bis zu 03:56 Stunden zu verbessern. Als Vorbereitungslauf für den Herbstmarathon 2006 habe ich auch einen Berglauf versucht. Der Erzberglauf mit einer Distanz von 12,2 km mit einer Höhendifferenz von 735 hm war eine echte Herausforderung für mich. Aber auch hier konnte ich in 1:30 Stunde finishen und das spezielle Training für den darauffolgenden Marathon war wichtig und hilfreich. 2008 war es dann soweit,  ich wurde ein sogenannter „Marathontourist“: 2008 New York, 2009 Berlin, 2011 Graz, 2012 Venedig, 2013 Amsterdam und 2014 Florenz. Insgesamt habe ich 10 Marathons geschafft und wollte damit meine Laufkarriere beenden. Ebenfalls wieder aufgrund eines guten Freundes, wird es nun wohl heuer ein Ultralauf, der 12 Stundenlauf in Irdning/Stmk und als Vorbereitung bestreite ich meinen elften Marathon in Salzburg. Die Vorbereitungen laufen bereits und ich freu mich, wieder eine neue Herausforderung gefunden zu haben. Es wird eine ganz neue Erfahrung, da sowohl das Training als auch der Lauf selbst viel Zeit und Durchhaltevermögen verlangen.

Formüberprüfung, ob die Richtung stimmt?
Erfahrungsbericht von Sabine S. – Salzburg Marathon, 7. Mai 2017 

Zu Beginn ist das Wetter optimal: ca. 10-12 Grad bewölkt und relativ windstill. Lauftempo von Beginn weg ca. 06:10-06:15/km. Leider gleich nach den ersten 300 m ein Torbogen zu durchlaufen, was dazu führt dass wir im Schritttempo durch müssen und die Läufer ziemlich sauer sind.  Verpflegung gut, ca. alle 2.5 km entweder Wasser/Powerade/Cola und Obst oder nur Wasser. Trinke bei jeder Station (Wasser und Powerade) und esse alle 5 km entweder Banane, Sportriegel oder Gonats.  Durch das viele Trinken muss ich leider auch ständig wieder ausleeren gehen.

Ab km 25 entleeren sich die vom Beginn an drohenden Wolken und es regnet ziemlich stark bis ins Ziel. Geschwindigkeit kann ziemlich gut gehalten werden. Bei km 37 wird nochmal ein Sportgel genommen, dass nochmal Energie für das Finale gibt. Zielzeit: 04.26:45. Liegt deutlich unter den geplanten 04:29.

Fazit: sehr guter Lauf, bis ins Ziel kein Einbruch, Tempo war gut zu halten und auch die KH-Speicher waren scheinbar gut gefüllt.

Heute einen Tag danach, kann ich sagen, dass ich mich schon etwas müde in den Beinen fühle und mein linkes Knie auch überlastet ist und daher etwas spürbar ist, aber keine wesentlichen Beeinträchtigungen spürbar.

Die letzte große Formüberprüfung – 50 km
Erfahrungsbericht von Sabine S. – 50 km Lauf, 10.06.2017  Wien Prater Hauptallee

 Wir starten um 09 Uhr und das Wetter ist angenehm bewölkt mit ca. 17 Grad. Es sollen 20 Runden gelaufen werden um die 50 km zu absolvieren. Als Hauptbewerb laufen bereits seit 6 Uhr morgens die Stars der Veranstaltung, nämlich die 100km Läufer. Die Teilnehmeranzahl ist überschaubar, sodass man sich immer wieder sieht und ein paar Worte wechselt. Die Solidarität ist hier sehr groß und jeder weiß, dass es hier nicht primär um Geschwindigkeit geht. Die Runde ist angenehm zu laufen, weil auch als sich die Sonne dann gegen 10:30 Uhr zeigt die Bäume genug Schatten spenden.  Die ersten 10 Runden sind „schnell“ gelaufen und dann gibt’s die erste etwas längere Pause um auch mal zu essen und zu trinken. Die Versorgung ist exzellent es gibt von Obst über Kuchen und Reisbällchen alles was das Herz begehrt. Auch die Getränkeauswahl lässt keine Wünsche übrig: Wasser, Elektrolytgetränk, Cola, Johannisbeersaft und sogar Gemüsesuppe stehen zur Verfügung.

Das Tempo ist von Beginn an schneller als ich erwartet habe und ich laufe mit ca. 06:25/km die ersten 25 km durch. Gut gestärkt nach der ersten Hälfte geht’s weiter in die zweite Hälfte. Das Wetter wird wärmer und trinken wird immer wichtiger. Ich bleibe daher bei jeder neuen Runde stehen und trinke und/oder esse was. Zu meiner persönlichen Überraschung schaffe ich es auch hier wieder das Tempo gut zu halten und mir „fehlt“ auch der typische Einbruch. Ganz im Gegenteil ich schaffe es sogar die letzten 5 km noch Tempo zu machen und laufe ein mit einer Gesamtzeit von 05:20 Std., 10 Minuten unter meiner geplanten Zeit. Mit großem Respekt möchte ich hinzufügen, dass der Sieger des 100km Laufes  ca. 01:05 Std. vor mir im Ziel war.

Gut motiviert für großen Tag freue ich mich auf den 12 Stundenlauf und bin gespannt welche Gesamtkilometeranzahl möglich sein wird.

Mein 12 Stundenlauf
Erfahrungsbericht von Sabine S.

12 Stundenlauf, Irdning/Stmk.  01.07.2017

Die Anreise erfolgt bereits am Vortag gegen 17 Uhr, um die Startnummer zu holen und den reservierten Campingplatz zu beziehen. Gemeinsam mit einer guten Freundin, welche meine Betreuung für die 12 Stunden  übernommen hat und jenem Freund, welcher diesen Lauf für mich initiiert hat, und auch selbst mitläuft, wird ein Zelt aufgebaut. Danach wird noch einmal ordentlich Kohlenhydrate gebunkert, beim Nudelessen in der örtlichen Pizzeria.

Endlich ist es soweit! Das Training hat ein Ende und er große Tag ist gekommen.

Start ist um 7 Uhr morgens  und die Temperaturen sind angenehm mit ca. 12 Grad, fast windstill jedoch regnet es bereits beim Aufwachen.  Kurz vor 7 Uhr (die 24-StundenläuferInnen sind bereits fast 12 Stunden unterwegs) versammeln sich die 12-Stundenläufer beim Start, um nochmal die letzten Instruktionen zu erhalten. Insgesamt sind es ca. 35 LäuferInnen die nun die nächsten 12 Stunden gemeinsam mit den 24-StundenläufernInnen und den 24 Std. Staffeln auf der Strecke (eine Runde 1,217km) sein werden.

Punkt 7 Uhr geht`s mit einem Startschuss los und nun wird sich zeigen wie gut das Training war. Mein persönliches Ziel hab ich mir mit 70-80 km gesetzt. Mal sehen, ob sich das verwirklichen lässt.

Die ersten 30 km sollten kein Thema sein und schaffe ich auch in etwas mehr als 3 Stunden. Der Regen wird  gegen 9 Uhr leichter  und es hört dann tatsächlich ganz auf und die Sonne zeigt sich etwas.  Nach einer kurzen Stärkungspause geht’s weiter mit dem Vorhaben die nächsten 20 km (ca. 16 Runden) ohne Pause durchzulaufen.

Ich höre immer wieder meinen Namen vom Sprecher, weiß dass ich derzeit 4. Frau im Bewerb bin und wie meine Mitläuferinnen unterwegs sind.

Die Verpflegung an der Strecke ist ausgezeichnet, mit Obst, Kuchen, Soletti, Nudeln, Cola, Wasser, Elektrolyt und, und, und. Ich trinke und esse zumindest jede 2. Runde eine Kleinigkeit (ein Stück Banane, ein kleines Stück Kuchen oder Brot), um meine Energie so lang wie möglich aufrecht zu erhalten. Die ersten 50km sollten machbar sein, da ich diese Strecke bereits in der Vorbereitung gelaufen bin.

Nach ca. 5:44 Std. sind die ersten 50 km absolviert und mein geistiger und körperlicher Zustand ist noch immer sehr gut. Natürlich spüre ich bereits eine gewisse Müdigkeit in den Beinen und meine Kniegelenke sind auch schon etwas steif, aber ich weiß, da geht schon noch einiges. Nach einem Teller Nudeln und genug Flüssigkeitszufuhr geht´s  wieder weiter.

Von meinem eigenen Ziel habe ich nun, in fast der Hälfte der Zeit, ca. 65-70% erreicht und somit bin ich zuversichtlich, dass ich die obere Grenze meines eigenen Zieles, nämlich 80 km, schaffen werde.

Die Stimmung an der Strecke ist großartig, denn die TeilnehmerInnen der Staffeln und deren Fans feuern die EinzelläuferInnen mindestens genauso an, wie die eigenen Staffelläufer. Durch den Rundkurs wird man nach einigen Runden bereits mit Vornamen angefeuert und das von Menschen, die man hier das erste Mal sieht. Auch die TeilnehmerInnen, egal ob Staffel oder Einzelläufer motivieren sich gegenseitig durchzuhalten und man tut selbst das gleiche.

Nun geht’s daran auch die restlichen 6 Stunden durchzuhalten. Eine kurze Pause, um wieder Energie zu tanken und die Erfahrungen mit meinem Leidenspartner zu teilen und es geht wieder los.

Meine Strategie ist nun wieder ca. 10 km zu absolvieren um danach wieder eine kurze Pause einzulegen. Das Tempo wird natürlich immer langsamer aber noch wird gelaufen.

In der 50. Runde (60 km -ca. 7:30 Std.) gibt es wieder eine Pause. Die Beine werden langsam schwer und es ist auch immer schwieriger sich zu motivieren. Meine Freundin ist nun gefragt, sie zieht die Laufschuhe an und begleitet mich für ein paar Runden. Die Sonne ist mittlerweile hoch am Himmel und die Temperatur entsprechend gestiegen. Trinken wird immer wichtiger und das tu ich dann auch jede Runde, obwohl ich selbst dazu keine Lust mehr habe und auch für die Nahrungsaufnahme benötige ich schon eigene Überredungskunst.

58 Runden (ca. 9 Stunden): die Füße schmerzen, die Knie sind unbeweglich und der Geist schon ziemlich schwach. Aber die unter  Zielgrenze ist erreicht und ist alles was jetzt kommt ist nur noch Kür.

Jetzt wird in 5 km Schritten gedacht. 4 Runden und ich bin dem Ende wieder ein Stück näher. Spaß ist kaum mehr dabei, aber der Stolz hier durchzuhalten wächst. Das Publikum ist ein Wahnsinn und treibt mich an, doch immer wieder zu laufen. Zwischendurch wird eine Runde gegangen, um auch wieder etwas zu essen und meine Freundin begleitet mich dabei.

Runde 62 (ca. 75 km) und wieder eine Pause.  Es sind noch etwas mehr als 2 Stunden durchzuhalten und die Motivation durch das Publikum wird immer intensiver und die Hochachtung dieser Menschen für das Durchhaltevermögen der TeilnehmerInnen auch, was für uns sehr spürbar und daher motivierend ist.

Nach 10:35 Std. hab ich 80 km in meinen Beinen und hab mein selbstgewähltes Ziel erreicht. Nachdem jedoch noch fast 1,5 Std. Zeit sind versuche ich mich selbst zu überzeugen, doch noch ein paar Runden weiterzumachen. Die letzte Pause wird daher etwas länger, um nochmal Kraft und Energie zu sammeln und doch noch ein wenig zu laufen. Und ich schaffe es nach 11:15 nochmal auf die Strecke zu gehen.  Die Runden werden gefühlt immer länger, aber das Publikum und mein Ehrgeiz lassen mich weitermachen. Gehen ist schmerzhafter als Laufen, also wird soweit noch möglich gelaufen.  

Um Punkt 19 Uhr ertönt die Schlusssirene und ich bin wahnsinnig stolz und überglücklich nach 12 Stunden 85 km gelaufen zu sein. Freudentränen laufen mir über die Wangen und das Publikum im Zielbereich feiert jeden einzelnen Läufer. Es wird gratuliert, umarmt und gefeiert.

Mit Stolz geschwellter Brust, werde ich von meiner Freundin nach Hause chauffiert und  ein sehr anstrengender, aber sicher erinnerungswürdiger Tag geht gegen 23:45 Uhr (todmüde aber glücklich) zu Ende.

Ein großer Dank an diesem Tag  geht an das großartige Publikum, meinen LaufkollegInnen und meiner Begleitung, ohne deren Zutun sich das Durchhalten wesentlich schwieriger gestaltet hätte.  DANKE!